Was eine Bildhauerin im Deutschen Kinderwagenmuseum für sich entdeckte

Im Dezember lobte die Kunststiftung Sachsen-Anhalt zum zweiten Mal ein sogenanntes Heimatstipendium aus – das Heimatstipendium #2.
Für ein Jahr mit einem Stipendium werden Künstler*innen vor allem in kleineren, unbekannten Museen Sachsen-Anhalts arbeiten. Dort sollen sie die Bestände von Sammlungen und Archiven erkunden. Ziel ist es, dass sie das vorgefundene kulturelle Erbe mit einer eigenen künstlerischen Arbeit reflektieren und interpretieren.

19 Künstlerinnen hatten sich um 10 Plätze beworben und bereisten die 10 ausgewählten Museen des Landes. Eines davon das Museum Schloss Moritzburg

Eine Bildhauerin und die Fatschenkinder

Die Entscheidung ist gefallen – mit Julia Schleicher wird eine Bildhauerin an das Deutsche Kinderwagenmuseum kommen. Bei ihrem Besuch in Zeitz hatten es ihr die „Fatschenkinder“ besonders angetan. Dazu schreibt die Kulturstiftung:

„Ein kleines, eher unscheinbares Exponat fiel Julia Schleicher gleich zu Beginn ihres Besuchs im Zeitzer Kinderwagenmuseum auf: Die winzige Darstellung eines so genannten Fatschenkindes hinter Glas. Sie zeigt das Andachtsbild eines Jesuskindes. Der Ausdruck „fatschen“ bedeutet „eng wickeln“, heute kennt man ihn auch als „pucken“. Diese Fatschenkinder waren früher weit verbreitet. Häufig wurden sie in kleine Objektrahmen oder in ein Kästchen gebettet und mit Schmuck verziert. Novizinnen erhielten sie beim Eintritt ins Kloster, auch Hochzeitspaare bekamen sie geschenkt. Lange dienten sie zudem als Andachtsbild für den Hausgebrauch. Besonders angetan war Julia Schleicher von der Vielfalt der Darstellungen dieser Fatschenkinder. Und so lieferte ihr die Entdeckung im Zeitzer Museum zugleich die tragende Idee für ihr Projekt. Sie möchte sich mit verschiedenen Aspekten dieser Darstellungen befassen. Die liebevolle Fertigung und Präsentation reizen sie dabei besonders. Sie sollen ihr zugleich als Anregung für die Herstellung eigener Fatschenkinder dienen. Diese eigenen Plastiken sollen später gemeinsam mit Exponaten aus der Sammlung gezeigt werden.“

Wir sind sehr gespannt, wie die Künstlerin ihre Beobachtung künstlerisch umsetzen wird. Natürlich werden wir über die Arbeiten berichten, die übrigens in einer Ausstellung präsentiert werden. Hashtag #HeimatstipMoritzburg.

Über Lulia Schleicher

Geboren 1984 in Köln, studierte sie zunächst Theaterplastik in Dresden. Es folgte der Studiengang Bildhauerei an der Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein in Halle. 2014 erhielt sie den Gustav-Seitz-Preis für zeitgenössische figürliche Bildhauerei. Sie lebt als freischaffende Bildhauerin in Halle. (Quelle: Kunststiftung Sachsen-Anhalt)

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