Florinchen und die Welt des Gärtnerns
– das Maskottchen der „Internationalen Gartenausstellung der sozialistischen Länder“ (iga) in Erfurt
Daten zum Glanzstück des Monats Oktober
Puppe mit Strohhut (defekt) und Blumenstrauß, dreiteilig
Keramik, Drahtgestell, Stoff, Wolle, Farbe, Filz, bemalt
DDR, 1960er
Maße: 31 cm x 10,5 cm x 9 cm
Sammlung: Stadtgeschichte
Inventarnummer: V/H – 4283
Provenienz: private Schenkung
Ersterfassung: 30. März 2000
Über dieses Glanzstück
Ein überraschender Besuch
Ein schöner Tag in Erfurt neigt sich dem Ende: der Sandmann fliegt mit einem Hubschrauber über die thüringische Landeshauptstadt und das Gelände der „iga“. Bei der Arbeit an den Blumenbeeten entdeckt er sie: Gärtnerin Florinchen. Sofort landet das Sandmännchen in ihrer Nähe. Beide begrüßen sich herzlich, hilfsbereit geht er ihr zur Hand, danach zeigt die Gärtnerin ihrem Gast „ihren“ Park. Im Parkbus erkunden sie die damalige Gartenausstellung. Auf einem Spielplatz begegnen ihnen spielende Kinder. Diese hüpfen in den Bus und die Tour durch den Park geht weiter – vorbei an Blumen und Wasserfontänen. An einer Hollywoodschaukel vor einem Gartenpavillon wird Halt gemacht. Florinchen holt einen Fernseher raus und der „Abendgruß“ beginnt… Nach der Verabschiedung der Kinder schenkt Florinchen dem Sandmann Blumen – frisch aus dem Beet gepflückt. Voller Freude und Dankbarkeit für die Parktour und das Kennenlernen schenkt er der Gärtnerin ein Blümchen zurück. Als der Sandmann davonfliegt, winkt Florinchen mit den Blumen der „iga“ ihm zu.
Eine Puppe mit Charakter
Die Episode des Sandmännchens Nr. 93 stellt in einer sehr sympathischen Art und Weise unser neues Glanzstück vor: Das Maskottchen der Internationalen Gartenausstellung der sozialistischen Länder“ (iga) in Erfurt, genannt Florinchen. Die hier vorgestellte Puppe besteht aus einem Keramik- und Stoffkörper, im Inneren ist ein Drahtgestell. Ihr modischer Bob mit akkuratem Pony besteht aus angeklebter Wolle. Ihr feines Gesicht mit großen schwarzen Augen und Wimpern ist angemalt ebenso der lächelnde Mund. Die auffälligen gelben Ballerinaschuhen mit samt den weißen Strümpfen entstammen ebenfalls dem Pinselstrich. Das Mitbringsel ist starr und hält einen kleinen, bunten Blumenstrauß in der rechten Hand. Ursprünglich trug sie einen gelben Strohhut. Dieser ist gerissen und kann nicht mehr getragen werden. Am Hinterkopf lösen sich die Wollhaare etwas ab. Das Exponat wurde dem Museum als Schenkung in den 1990er Jahren übergeben, seither wird es im Depot der „Stadtgeschichtlichen Sammlung“ aufbewahrt. Seine Ersterfassung erfolgte im März 2000. Es handelt sich nicht um die Sandmännchen-Begleitfigur, sondern um das Souvenir, welches man damals auf dem Gelände der Gartenschau erwerben konnte.
Eine kleine moderne Blumengöttin
Am 28. April 1961 wurde die „Erste internationale Gartenbauausstellung der sozialistischen Länder“ – kurz auch „iga“ genannt – auf dem Parkgelände feierlich eröffnet. Die Ausstellungskuratoren und die DDR wollten einem internationalen Trend der Zeit folgen: Eine Werbefigur sollte Reklame für die Gartenausstellung machen. Ihr „Vater“ ist der Grafiker Siegfried Kraft (1920-2013). Der gebürtige Erfurter arbeitete damals als künstlerischer Leiter und Chefgrafiker der „iga“. Gemeinsam mit dem Berliner Puppengestalter Gerhard Behrendt, dem Erfinder des Sand- und des Leipziger Messemännchens, entwarfen sie die Reklamefigur. Zu Beginn der 1960er Jahre entstand eine kleine Gärtnersfrau mit den anmutigen, dunklen Mandelaugen. Modell stand die römische Göttin der Blumen, der Jugend und des Frühlings – Flora. Die Künstler stellten das Erfurter Pendent in einer modernen Version der Göttin ähnlich dar: als junge, blumengeschmückte Frau. Bald schmückte das Florinchen, mit grüner Latzhose bekleidet, gelbem Strohhut auf dem Kopf und fortwährend von vielen Blumen umgeben, den Außenauftritt der „iga“ in mehrfacher Weise.
Von Erfurt in die Welt
In diesem Jahr feiert die berühmte Gärtnerin bereits ihren 65. Geburtstag und blickt auf ein „bewegtes Leben“ zurück: Florinchen zierte nicht nur Plakate, Wegweiser und Porzellanteller, sondern wurde als Puppe zum Kassenschlager. Es gab mindestens sieben unterschiedliche Versionen der Puppe, die ab 1966 verkauft wurden. Die Puppe wurde in Waltershausen hergestellt. Um eine exklusive Variante des Blumenfräuleins wurde jener Abendgruß gestaltet, der 1969 ausgestrahlt wurde. Zum 50-jährigen Parkjubiläum 2011 erfolgte eine Neuauflage des beliebten Maskottchens. Noch immer heißt Florinchen die Besucher des Egaparks, wie das Gelände heute genannt wird, mit einem Lächeln auf den Lippen herzlich Willkommen. Ihre Abbildung prangt an der Fassade des Haupteingangs des Parks.
Text: Carmen Sengewald
© Fotos „Florinchen“: Carmen Sengewald/ MSMZ















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