MAGNIFIKAT
Daten zum Glanzstück des Monats Februar
- Inventarnummer / Grafiksammlung des Museums Schloss Moritzburg Zeitz: VIB / 53 – 235
- mehrseitiger ungebundener Handpressendruck von Johannes Lebek
- 8 Holzstiche mit geschnittenem Text
- Seiten gefalzt und ineinander gelegt
- mit Widmung auf einem Zettel (120 x 45):
- gedruckt, Bleisatz:
„Diesen kleinen Druck widme ich den Freunden
meiner Kunst mit den besten Wünschen für das Jahr 1954.
Die Motive sind nach Zeitzer Altertümern in Holz geschnitten.“
- handschriftlich mit Füller: „Johannes Lebek“
- signiert auf letztem Blatt mit Holzstich „Heilige Familie“ „JLebek“ (Bleistift)
- 1953 / 1954 / (1956), 25 Exemplare, nicht nummeriert
- Maße (1x gefalzt): 210 x 147, je 2 Drucke pro bzw. 1 Druck pro Seite
Über dieses Glanzstück
Das Werk „MAGNIFICAT“ mit 8 kleinen Hochdrucken nach Zeitzer Altertümern, also nach Bildwerken, die sich in Zeitz befinden oder befanden, hat Lebek in Holz gestochen und als Neujahrsgabe für die Freunde seiner Kunst in 25 Exemplaren handgedruckt.
Neujahrskarten mit selbst geschaffenen Drucken wurden vor allen Dingen im letzten Jahrhundert gern von Künstlern und auch Laienschaffenden an Freunde, Bekannte und Kollegen per Post versendet. Der Austausch dieser Kleinkunstwerke verbunden mit guten Wünschen für Weihnachten und das neue Jahr war sehr beliebt und verbreitet, auch in der damaligen DDR. Im Werkverzeichnis von Johannes Lebek ist eine solche von ihm geschaffene Karte erstmalig für das Jahr 1937 („Vorhang auf“ WV 148 f1) verzeichnet, bis zu seinem Lebensende hat Lebek diese Tradition beibehalten. Fast für alle Jahre haben wir sie in unserer Sammlung und auch im Nachlass, dem Depositum „Elisabeth und Hubert Wegner“, tw. mehrere verschiedene für ein Jahr.
„MAGNIFIKAT“ nimmt unter diesen Neujahrsgaben eine Sonderstellung ein. Es ist mehrseitig. In 25 nicht nummerierten Exemplaren gedruckt, ist es in einem A5 Briefumschlag aber sicher auch per Post von Lebek verschickt und verschenkt worden. Die Blätter sind nicht gebunden, sondern von ihm nur gefalzt und ineinander gelegt worden. Zu sehen sind wunderbar feingestochene Abbilder von Skulpturen und Reliefs Zeitzer Altertümer aus Museum und Dom auf Seiten aus dünnem Papier. Signiert vom Holzschneider rechts unter dem letzten Druck, war es ein wertvolles Geschenk und gleichzeitig Neujahrs- und Weihnachtsgruß um den Jahreswechsel 1953 / 1954 aber auch bis 1956, gewidmet den Freunden von Lebeks Kunst.
„Mit den Worten „Magnificat anima mea Dominum“ („Meine Seele preist den Herrn“) beginnt auf Lateinisch der Lobgesang Marias, eines der drei Cantica des Lukasevangeliums (Lk1,46–55 EU); es gehört zur durch Lukas überlieferten Kindheitsgeschichte Jesu. Es wird unter anderem im Stundengebet gesungen und ist nach seinem Eingangswort benannt. Es ist auch in den christlichen Festen der Weihnacht liturgisch verankert, weil es im weiteren Sinne zur Weihnachtsgeschichte gehört.“
„Das Magnifikat ist die längste wörtliche Rede Marias im Neuen Testament.“
Quelle- kursiver Text: https://de.wikipedia.org/wiki/Magnificat
Der erste Holzstich des „MAGNIFICAT“ von Lebek gehört zu meinen Lieblingen unter seinen Arbeiten. Sein Vorbild war der Pultengel aus dem Dom St. Peter und Paul. Die barocke Engelsfigur mit einem dicken Buch über Kopf und Schultern ist angefertigt worden für die Altarstufen des Zeitzer Domes während der barocken Neugestaltung des Inneren des gotischen Kirchenbaus. Die Werkstatt des Bildhauers Heinrich Schau wurde von Herzog Moritz von Sachsen-Zeitz dazu beauftragt. Er realisierte den Einbau der Fürstenloge, der Orgelprospekte und der Chorschranken, des Altars und der Kanzel: alles präsentierte sich nach nur fünf Jahren Umbauzeit (1664) im barocken Gewand. Farbig und Gold gefasste Schnitzereien von Engeln, Fruchtgirlanden u.a.m., üppig, geschwungen, pompös und festlich bewegt und doch nicht fremd in der streng gotischen Architektur der Schlosskirche, die dann den Namen „St. Trinitatis“ bekam.
Der Pultengel steht schon seit Jahren nicht mehr mittig auf den Stufen zum Altar, sein Sockel geht von einer zur nächsten Stufe. Seine Fassung ist nicht mehr vorhanden. Das rohe Holz mit nur wenigen Farbresten auf der Oberfläche macht ihn aber nicht weniger interessant, im Gegenteil: das Plastische wird unterstrichen und nicht von Farben abgelenkt. Sein schlichtes Gewand zeigt einen bewegten imposanten Faltenwurf, das Gesicht ist lebendig und die Flügel gerade erst zur Ruhe gekommen. Lebeks Holzstich zeigt die Vorderansicht des Engels und ist als solcher nicht mit weniger Meisterschaft gearbeitet worden. Ein Abbild der Verehrung Lebeks für diese Figur.
Auf Schnitzereien eines gotischen Stollenschrankes im Museum Schloss Moritzburg Zeitz (Anfang 16.Jhd,) in der Ausstellung: „Himmlisches Streben, irdisches Leben. Zeitz unter dem Bischofsstab“ – unserer stadtgeschichtlichen Ausstellung, gehen vier Holzstiche zurück. Sie sind von Lebek getreu nach Verzierungen und Reliefs auf den Schranktüren ausgeführt.
Zugeordnet hat Lebek handgeschnittene Textzeilen in Großbuchstaben auf Deutsch oder Latein.
Auf dem zweiten Blatt lesen wir die Worte „IN DER ZEIT / WIRD DES / HERREN ZWEIG / LIEB UND WERT / SEIN UND DIE / FRUCHT DER / ERDE HERRLICH“ Links neben dem 7-zeiligen Schriftblock sehen wir eine Vignette mit der Darstellung eines architektonischen Schmuckelements unseres gotischen Holzschranks.
Auf dem dritten Blatt sehen wir die frontal abgebildete symmetrische Halbfigur eines Engels zu den Worten „ANIMA MEA DOMINUM“ (meine Seele preist den Herrn). Er hält ein aufgeschlagenes Buch aufrecht vor seinem Oberkörper. Die Buchstaben Alpha und Omega – Anfang und Ende – sind jeweils auf den aufgeschlagenen Seiten zu lesen.
Die drei nächsten Stiche nehmen wieder die Reliefs des Stollenschranks als Vorbild, alle haben eine gotische Rahmung. Zu den Worten: „AVE MARIA GRACIA PLENA“ (Gegrüßet seist Du, Maria, voll der Gnade) ist der Verkündigungsengel Gabriel mit der Lilie zu sehen. Die Schraffierung für die plastische Wirkung des Holzstichs zeigen die Verwendung eines Fadenstichels.
Der nächste Stich mit den Worten „ECCE ANCILLA DOMINI“ (siehe ich bin die Magd des Herrn), zeigt Maria vor einem Pult kniend und betend.“
Die Worte „ET IN CARNATUS EST“ (hat Fleisch angenommen) lesen wir unter dem folgenden Stich wieder nach dem Vorbild eines Reliefs an unserem Stollenschrank. Der Jesusknabe liegt im Zentrum nackt auf Stroh, links und rechts knien Maria und Josef betend in Richtung des Neugeborenen. In den Schraffuren, die im Hintergrund die Dunkelheit schaffen, zeichnen sich schwach die Köpfe einer Kuh und eines Esels ab.
Eingebettet in den Schriftzug: „GLORIA EXCELSIS IN DEO ET IN TERRA PAX“ (Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden) schwebt auf der nächsten Seite aufrecht ein Engel, der eine Krone über sich hält. Das Vorbild für diesen Stich ist eine barocke vollplastische, farbig gefasste Schnitzerei über der Kanzel im Dom. Dort schwebt der Engel (in Kindergestalt- und -größe) der Fürstenloge zugewandt, die im Westen des Gotteshauses für die herzogliche Familie Sachsen-Zeitz in der Barockzeit eingebaut wurde.
Der letzte Stich wurde von Lebek vermutlich nach einen Gemälde geschnitten, es stellt die „Heilige Familie“ dar. Die Formensprache dieser Arbeit wirkt viel weicher und detailreicher, was mich zu dieser Hypothese veranlasst. Möglicher Weise gelingt einem Zeitzer? die Zuordnung, da Lebeks Übersetzung eines „altertümlichen Zeitzer Kunstwerks“ in die Sprache des Holzstichs sicher auch hier wieder gelungen ist. Das Werk „MAGNIFIKAT“ wurde unter diesem Druck von Lebek mit Bleistift signiert.
TEXT: Ulrike Trummer 2 / 2026






















